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<img src="http://www.mayer-berlin.com/pix/linie_417.gif" width="417" height="12" hspace="0" vspace="0" border="0" align="top" />

Die Unsterblichkeit schreitet durch die Wüste. Barfuß. Hoch erhobenen Hauptes, hoheitsvoll, irgendwie unnahbar. Fast göttlich. Verkörpert von vier Frauen. Mal von fragiler weißglänzender Seidengaze umweht, durch die sanft die weiblichen Konturen schimmern, mal in derbe Jacken gehüllt, die jegliche Anmut nur erahnen lassen. Die Kamera nimmt die Gesichter ins Visier, setzt sich an ihnen fest, gleitet dann herunter, zeitlupenartig, und kreist schließlich immer wieder um die Stoffe auf der Haut. Um die Kleider, Mäntel, Röcke und Hosen.
Die Entwürfe gehen auf die junge Hamburger Modedesignerin Christine Mayer zurück... ...sie schickt ihre Models nicht einfach durch den Wüstensand, um dann ein paar Aufnahmen mit der Kamera zu drehen. Nein, die 27jährige komponiert gleich einen kompletten Film um ihre textilen Kreationen. „Blitze schießen aus wunder Erde“ heißt ihr Werk, das, verbunden mit einer Modenschau, heute abend in der Barlach Halle K präsentiert wird.
...Eingebettet in die mythische Geschichte der kolchischen Königstochter Medea, die aus verratener Liebe zur Mörderin wird, zeigen die Models Mayers phantasievolle Schöpfungen vor bizarren, bisweilen unwirklich anmutenden Landschaften. Gut eine halbe Stunde lang wechseln die Modeblöcke mit dem eigentlichen Handlungsstrang.
Medea, von ihrem Mann Jason wegen Glauke verlassen, wird durch die Hilfe eines Engels neugeboren. Während eines Rituals empfängt sie den Todeskimono. Dieses spinnennetzartige Gewand gewinnt durch Medeas Stärke an magischer Kraft und gerät zur tödlichen Falle für Glauke. ...
... In düsteren schwarz-weiß Bildern, unterlegt von sphärischen und orientalischen Klängen, hat Philipp Dönch Mayers Medea-Interpretationen fotografiert.
Die Unsterblichen erscheinen dagegen in melancholischen Farbtönen. Erst am Ende des Films verbinden sich die verschiedenen Ebenen in malerischen, optimistischen Bildern: Medea streift ihre Vergangenheit in Form eines roten Filzmantels ab und vereinigt sich schließlich mit den vier Unsterblichen. „Ich wollte eine ganz besondere Form der Präsentation schaffen“, erklärt Christine Mayer. „Der Film ist ein tolles Medium, um Stimmungen auszudrücken und Kleider zu inszenieren.“ Ihre Kollektion, eine Mischung aus tragbarer Alltagsmode und textilen Kunstobjekten, verlangt geradezu nach einer solchen Darstellung.
Asymmetrische Formen, eigenwillige Aufdrucke und ungewöhnliche Stoffkombinationen charakterisieren Mayers Stil. Rosshaarmäntel und Jacken aus Wolldecken gehören ebenso zu ihrem Repertoire wie Papierröcke und Strandkleider aus gummiertem Leinen. Schleier befestigt Mayer schon mal mit Nägeln, und Plastik wird zwischen Chiffon und steife Seide gebügelt und zu einem Kleid verschmolzen. ...